Männliche und Weibliche Schutzmechanismen

Der direkteste Zugang zur Realität geht über Gefühle, nicht über Denken, Gedanken und logische Überlegungen. So werden auch unsere Schutzmechanismen durch Gefühle oder Emotionen gebildet und aktiviert. Deshalb wundert es nicht, dass auf Informationen und Personen oft unangemessen reagiert wird, wenn wir verletzt oder gekränkt werden. Über Schutzmechanismen lernen wir uns selbst zu helfen, aber auch unser Vertrauen zu entwickeln. Vor allem auch in Beziehungen können wir durch sie lernen, uns selbst zu verstehen. Wie unterschiedlich Schutzmechanismen zwischen Mann und Frau sein können und wie wir an den Reaktionsmustern lernen und wachsen können, zeigt, dass es tatsächlich männliche und weibliche Schutzmechanismen gibt, die einen großen Anteil an unserem Selbstbild und Selbstwert haben. Unsere Erfahrungen verdeutlichen das.

Unabhängig von den eigenen individuellen Erfahrungen sind wir immer mit dem kollektiven Unbewussten verbunden, also mit männlichen und weiblichen Emotionsstrukturen, nach Jung:  Anima (Seele) und Animus (Geist).  Je nachdem, wie diese in uns verteilt sind, werden sie auch im tieferen Sinn in unseren Reaktionen sichtbar. Verliert man den Kontakt zu beiden unbewussten Anteilen in sich selbst, wird man sich stets unverhältnismäßig, unangemessen, unbeherrscht, überheblich, gereizt, launenhaft, zornig gegenüber anderen verhalten. Es kann aber auch gegenüber einem selbst zu Minderwertigkeitskomplexen führen oder depressiven Verhalten kommen.  

Zwei wesentliche Schutzmechanismen in diesem Zusammenhang sind Angst und Selbstzweifel, die sich aus beiden Vorstellungen von Seele und Geist ergeben. Nicht außer Acht zu lassen ist dabei die Vorstellung der „bipolaren Seele“. Unsere Seele sucht deshalb immer nach Intakt-Sein, Heilung und Ganzheit. „Was ihr fehlt, fehlt mir und was sie fühlt, fühle ich“. Sie formt den Geist aus sich und spiegelt in der Beobachtung und Wahrnehmung auch das Selbstbild wider.

Der Selbstzweifel drückt sich durch unseren Geist aus, wogegen sich Angst durch unsere Seele ausdrückt. Beide Schutzmechanismen, durch Seele/Geist hervorgegangen, prägen von früh an unser Selbstwertgefühl und können dieses entweder stärken oder schwächen. Allgemein transportieren sie Inhalte zwischen Bewusstsein und Unbewusstem. Deshalb ist es wichtig, sich bewusst mit seinen „inneren Kräften“ auseinanderzusetzen, um Projektionen zu vermeiden.

Dass eigene Empfindungen mit den Empfindungen und der Wahrheit des anderen manchmal wenig gemein haben, erkennen wir oft erst in Auseinandersetzungen, wo es Interessenskonflikte und auch Meinungsverschiedenheiten gibt. Hier reagieren wir  immer wieder mit unterschiedlich ausgeprägten Schutzformen und Mustern der Angst: Flucht, Kampf, Erstarren. 

Ist ein Mann sehr stark mit seiner Anima (Seele) im Kontakt, also seinem Unbewusstem verbunden, könnte man behaupten, dass er dann ebenso seine weibliche Seite (weibliches Prinzip Yin) zeigt, ausdrückt und kommunizieren kann. Das erfordert Mut und würde seinen männlichen Schutz (Panzer, Schatten) ausgleichen.

Schutz: Sentimentalität, Emotionen, Stille

Ist eine Frau sehr stark mit ihrem Animus (Geist) im Kontakt, könnte man behaupten, dass sie dann ihre männliche Seite (männliches Prinzip Yang) zeigt, ausdrückt und kommunizieren kann. Das erfordert Mut und würde ihren weiblichen Schutz ausgleichen.  

Schutz: Meinung, Überzeugungen, Glaubenssätze, Souveränität, Unantastbarkeit, Distanz

Im Flucht- Kampf- oder Erstarrungsmodus ist der jeweilige unbewusste männliche und weibliche  Anteil aktiv, die beide in jedem Menschen zu unterschiedlichen Anteilen vorhanden sind und sich nicht in dem anderen bekämpfen lassen. So, wie man auch daraus schlussfolgern kann, dass es unterschiedliche männliche und weibliche Schutzmechanismen gibt, sind die jeweiligen Schmerzpunkte entsprechend unterschiedlich. Diese lassen sich jedoch immer mit Einfühlung und Kommunikation aufdecken.

Sich adäquat in den anderen hinein zu versetzen, ist ein lebenslanger Lernprozess. Wenn wir uns auf Konflikte und schwierige Situationen einlassen und sie auch angemessen ausstehen, werden  Schutzmechanismen verändert und sogar weitreichend aufgelöst. Schutzmechanismen zwischen Personen zu unterscheiden und zu spiegeln ist auch der Schlüssel für eine Harmonie in Partnerschaften und glücklichen Beziehungen überhaupt.

Wäre es anders, könnten wir in unseren Beziehungen nicht wachsen. Tendenziell würden wir immer Dramen konstruieren und nicht unsere Ängste reflektieren. Oder wir würden nur weiter denken, ohne zu fühlen, was der andere fühlt. Es genügt nicht, nur über eigene Schutzstrategien Bescheid zu wissen, um zu seinen Zielen zu gelangen. Bestenfalls hilft es, durch Selbstreflexion zu verstehen, warum die Strategie mich zu der einen oder anderen Handlung zwingt. Dadurch  kann es gelingen, während eines Konfliktes und in komplizierten Situationen sogar schneller wieder zueinander zu finden, oder gelassener zu werden.

Gelassenheit oder „Ataraxie“ haben schon die  Epikureer und Stoiker als eine wichtige Voraussetzung für das innere Gleichgewicht gesehen. Die Kunst der Gelassenheit ist auch, sich nicht in Schutzmustern zu verhaken. Heute, in einer von zunehmenden äußeren Druck und immer größer werdenden Erwartungen geprägten Zeit, fällt es daher immer schwerer, gelassen zu sein und es zu bleiben, geschweige ein gesundes Selbstbild zu haben oder Offenheit. Im gesellschaftlichen Kontext sind immer mehr Menschen im Westen auf der Suche nach Spiritualität und geistigem Wachstum, doch auf der anderen Seite stecken wir in Konditionierungen fest, die uns daran hindern. Die Ursache, vom persönlichen Weg abzukommen, könnte sein, dass das männliche und weibliche Prinzip nicht zusammen gleichberechtigt in ergänzender Verbindung zueinander auf und ab fließt.

Eine magische Formel könnte für all diejenigen lauten, die mit Schutz und Gelassenheit wenig umgehen können oder auch wieder zurückfinden wollen:

“Mein größter Schutz ist meine größte Offenheit.“

Im Zustand der Harmonie heißt das, ganz unmittelbar, den auftretenden negativen Informationen nicht so viel Gewicht und Aufmerksamkeit zu geben, dafür aber den positiven Informationen um so mehr. Wer nicht gelassen sein kann, überschätzt meistens die negativen Seiten gegenüber den positiven Seiten. In unserer Ausgeglichenheit oder Gelassenheit liegt die Kraft, mit der wir fähig sind, Negatives zu relativieren. Der Schutzmechanismus „Angst“ wird dadurch erst gar nicht aktiviert. Der Geist ist ruhig aus der Distanz heraus.

Wie wir uns vor etwas schützen wollen, ist zum großen Teil der evolutionären Realität untergeordnet. Wir reagieren  immer noch mit den gleichen Angststrategien „Flucht, Kampf oder Erstarren“, wenn wir etwas als traumatisch erleben, diese Reaktionsmuster aber heute nicht mehr unbedingt erforderlich sind. Es sind heute eher diffuse Ängste, die offensichtlich nicht mehr jene Bedeutung haben.    

Unterschiedliche Reaktionen zwischen Männern und Frauen sind begründbar in den unterschiedlich traumatischen Erlebnissen, die sie gemacht haben und darin, wie sie mit ihrer Seele  verbunden sind.

Deshalb werden auch alte Verletzungen und nicht verarbeitete Traumata auf der sexuellen und körperlichen Ebene von Mann und Frau durchaus unterschiedlich thematisiert  und verarbeitet.  Überhaupt treten die seelischen Schutzmechanismen auch auf der körperlichen und sexuellen Ebene in Erscheinung und werden dort sichtbar.

Wie man daraus ebenso schlussfolgern kann, dass es unterschiedliche männliche und weibliche Schutzmechanismen gibt, sind auch die Schmerzpunkte entsprechend unterschiedlich.

Folgender Ansatz, in dem die empfindlichen Punkte klar definiert sind, zeigt dieses Modell:

Taoistisch-Tantrisches Modell

Taoistisch-Tantrisches Modell © Copyright 2020 Sensual Balance Maha Kama

Der Mann schützt sich woanders, als die Frau.

Schwachpunkt des Mannes ist das Herzchakra.

Dort panzert er sich, wenn seine weiblichen und männlichen Energien im Ungleichgewicht fließen.

Häufig steht damit auch im Zusammenhang der Schutz vor Gefühlsäußerungen und vor Bindung.

Er leidet still für sich allein. Häufig neigt er auch zur Bindungslosigkeit und Single-Dasein.

Schwachpunkt der Frau ist das Sakralchakra.

Häufig stehen damit im Zusammenhang blockierende Ängste, wie Scham und Schuld, die auf sexueller Ebene eine fließende Sexualität und einen kreativen, sinnlichen und emotionalen Ausdruck blockieren.

Unser Selbstbild und Selbstwert werden erst dann einen spirituellen Raum einnehmen und sich entwickeln, wenn seelische Verletzungen und Blockaden in diesen körperlichen Schmerzpunkten und feinstofflichen Feldern des Herzchakras und des Sakralchakras gelöst werden.

Außer den beiden Schmerzpunkten auf der Ebene des Gefühls und der sexuellen Ebene (siehe Modell) gibt es natürlich weitere schutzbedürftige Punkte, die durch Verletzungen erst zu diesen Schmerzpunkten geworden sind. In den sieben Chakren manifestiert sich die jeweilige Verletzung oder der Schmerz, der von einem Ungleichgewicht zwischen seelischen und geistigen Aspekten und den damit einhergehenden Schutzreaktionen „Angst und Selbstzweifel“ herrühren.

„Was die Seele weiß, formt der Geist“ und ist als solches Prinzip auf der  Suche nach Ganzheit und spirituellem Wachstum insofern bedeutend, da alles von der Seele ausgeht  und wir erst dann unsere männlichen und weiblichen Schutzmechanismen öffnen können, wenn die männliche und weibliche Seelen-Energie in uns wieder im Gleichgewicht fließt, ohne unverhältnismäßige Angst, Rückzug und Verschließen. Im Umgang mit Ablehnung, Trennung, Verlust, unheilbarer Krankheit, Tod oder Sterben kann man sich seiner Angst und dem Selbstzweifel mit besseren,  also heilsameren Schutzmechanismen zuwenden.

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