Vom Umgang mit Krisen

Wir werden mit ihnen im Wachstum, in der Reifung, bei Verlust, Trauer, im Alter konfrontiert und leben mit ihnen. In natürlichen oder sozialen Systemen treten sie in Erscheinung, sogar immer häufiger. Entweder durch Fallen oder Steigen von eins ins andere oder man ist sogar selbst der Krisenheld. Krisen werden oft als extrem erlebt. Je nachdem, wie man damit umgeht. Doch sind Krisen an sich extrem? Extreme zählen oft zu den Schattenseiten, zu den Über- oder Unterspannungen. Bis zum letzten aufgebraucht oder bis an seine Grenze gekommen zu sein, sieht man anscheinend erst, wenn der Punkt erreicht ist. Der Wendepunkt oder auch Krisenpunkt. Den zu erkennen und im richtigen Moment, darauf kommt es an. Wie damit umzugehen ist, ordnet man für sich selbst im Alltag und auch im Konfliktmanagement einer immer größer werdenden Bedeutung zu. Dabei ist der Bewältigungsansatz im Management meist gegenüber anderen traditionellen Maßnahmen kurzfristig und pragmatisch. Im Umgang mit Krisen gibt es dennoch immer ein zentrales Ziel, nämlich Extreme oder Konfliktentwicklungen zu beseitigen oder ganz abzuwenden.

In Unternehmen, in der Medizin, Politik und anderen Bereichen sind wir aufgrund von zunehmend höher werdenden monetären Abhängigkeiten und komplexeren Zusammenhängen zwischen Innen- und Außenwelt immer mehr herausgefordert, die Ursachen zu erkennen und zu beseitigen. Von den drei großen Konflikttraditionen: Konfliktregelung (conflict settlement), Konfliktlösung (conflict resolution) und Konflikttransformation ist die letztere die höchste oder nachhaltigste Aufgabe für ein gemeinsames Wir, also für eine Intervention auf allen Ebenen, sowie im Einzelnen für eine veränderte Einstellung und verändertes Verhalten, die es erlauben eine nachhaltige neue Wirklichkeit in gesellschaftlichen, kulturellen und psychosozialen Strukturen und Dimensionen zu schaffen. In der Transformation von Konflikten werden eigene und fremde existentielle Bedürfnisse bewusst gemacht, damit man selbst und Beziehungen heilen kann. Heilung unter Einbindung der Grundbedürfnisse ist heute sogar ein globales Thema im Umgang mit Krisen. Heilung ist nicht verhandelbar.

Der Wendepunkt stellt sich als der wichtigste Parameter dar, an dem man entscheidet, ob es nach oben oder nach unten gehen, eine Lösung oder eine Verschärfung des Zustandes herbeigeführt werden soll. Sich Krisen zu stellen, um daraus einen Weg zu finden, ist unumgänglich, dabei aber auch von sinnhafter Bedeutung. Extreme sind im ungünstigsten Fall erstarrte Zustände, die erst nach einer länger anhaltenden Konfliktentwicklung entstehen, aber durchaus durch Sinnhaftigkeit im Handeln abgewendet werden können.

Alle Krisen, ob psychischer, ökologischer, finanzieller und wirtschaftlicher Art,  benötigen Interventionen und werden mit entsprechenden Strategien bewältigt. Hierbei kommt es darauf an, ob man dazu noch selbst in der Lage ist oder sich entsprechende Unterstützung von außen holen sollte.

Schwankungen sind nicht zu verhindern, Extreme schon. Im positiven Sinn lässt sich herleiten: Krise ist, die Kurve doch noch zu kriegen. Auch nach 20 Jahren kann man ein Schweigen brechen oder übers Ziel hinaus schießen. Je nachdem, ob bei einer Lösung oder Verschärfung des Zustandes, sind die sich daraus ergebenden Konsequenzen meist erst nach der Krisenbewältigung absehbar. Doch die Widerstandsfähigkeit bleibt ebenfalls dann gewährleistet, wenn Extreme vermieden werden.

Allgemein ist die Verarbeitung von Krisen daher auch ein zentraler Punkt, um Extreme abzuwenden.

Wie geht das?

Dort, wo man vielleicht kurzfristig und pragmatisch einwirkt, so wie es im Krisenmanagement der Fall ist, ist es vielleicht besser, Vertrauen und Geduld zu haben, für sich selbst und für andere.

Mit Geduld und Vertrauen!

Schwankungen, die chronisch verlaufen, führen zu Extremen. Deshalb sind kleine Schwankungen selbst als das Resiliente oder als Widerstandsfähigkeit einzuordnen, für die Bewältigung von Krisen und zur Vorbeugung von Extremen oder Katastrophen. Im Prinzip ist eine Krise immer mit einer Entscheidungssituation verknüpft. Will man sie als Chance sehen, eine Situation oder einen Konflikt verschärfen oder lösen?

Außerdem haben Krisen auch etwas mit „Berührung als zentrales Element“ zu tun, wenn dieses Element nicht in Balance zu anderen Elementen steht. Entweder es fehlte über einen längeren Zeitraum Berührung, wodurch es zu der Krisensituation kam, oder es gab über einen längeren Zeitraum zu viel Berührung. Ein Fehlen drückt sich oft in Verdrängung aus und ein Zuviel sehen wir heute in allen Formen und Facetten durch Medien, Verkaufskampagnen und anderen Aufdringlichkeiten. Eine Sinnliche Balance in der Postmoderne ist ebenfalls ein Lösungsansatz für viele Bereiche, für die es Einfühlung und Verständnis, vor allem Vertrauen, Sanftheit und Toleranz benötigt.

Vertrauen, Sanftheit und Toleranz!

In Krisen kommt es auf die Innere Wahrheit an. Wie viel Weisheit in der folgenden Erkenntnis steckt, kann man daraus erkennen:

„Das Herz ist frei von Vorurteilen und daher fähig zur Aufnahme von Wahrheit. Ist das Herz frei und offen kann es Wahrheit aufnehmen.“(Hexagramm Dschung Fu aus dem I Ging)

Durch Berührung werden Krisen überwunden, Extreme vermieden. Berührung meint ein offenes und freundliches Hineinversetzen in andere Menschen, wodurch Menschlichkeit, ja Menschsein wahrhaftig werden.

Was man noch in Krisen lernen kann, ist, Statistiken und Messungen zu durchbrechen und durch Fühlen oder Hineinhorchen in sich selbst und andere Menschen eine neue Beziehungsebene zu beginnen. Dafür lässt sich ebenfalls das philosophische Konzept der Fünf-Elemente (Yin und Yang Lehre) gut anwenden. In ihr sind die Beschreibungen und Ableitungen über die Natur, die auf Mensch und seinen Beziehungen noch heute anwendbar sind.

Krisen sind natürlich und können daher in diesem Zusammenhang der natürlichen Gesetzmäßigkeit und dynamischen Prozesse von Werden, Wandlung und Vergehen für uns eine tiefere Bedeutung in unserem westlichen Verständnis einnehmen.

Überfüllung, Überangebote, Überheblichkeit, Überarbeitung waren bislang Zeichen des wirtschaftlichen Gefechts und dessen Unangemessenheit gegenüber der Natur.

Es ist durchaus denkbar, dass durch weniger Gier, Vermessenheit, Selbstüberhebung und Austoben an der Natur eine sinnliche Balance erzeugt wird. Wer jetzt lernt, was Natur wirklich ist und sein kann, versteht, dass der Mensch sich wieder mit ihr in Einklang bringen muss. Krisen werden dann auch nicht mehr als extrem erlebt, sondern sie entspannen den „Ewigen Kreislauf“ zwischen Wirtschaft, Gesellschaft und Sozialisation. Zwischen der eigenen Arbeit und in eigener Beziehung zum Leben und der Natur.

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