Sexualität des Mannes

Sie beeinflusst unsere Psyche, unsere persönliche Entwicklung und unsere Partnerschaft. Sie ist Grundlage unserer biologischen Fortpflanzung, Evolution und das Ergebnis der Variabilität. Und sie ist so etwas wie der Baum der Vielfalt. Soziokulturelle Strukturen und die jeweilige Gesellschaft bilden die Rinde als Schutzraum. Durch sie werden Wachstum, Sexualverhalten und Orientierung beeinflusst. Je stärker man mit seiner Sexualität verwurzelt, umso stärker wird der Stamm. Dies gilt gleichermaßen für die Sexualität des Menschen. Doch das sehr unterschiedlich. Die sinnliche Berührung beginnt ab der Geburt und mit ihr entwickelt sich über das gesamte Leben hinweg auch unsere Sexualität. Mit etwa 6 Jahren setzt die Geschlechtsidentität ein und noch etwa 6 Jahre später die sexuelle Orientierung. Nicht nur die Geschlechtsunterschiede, sondern die Heterogenität in der Ausdrucksform zwischen Mann und Frau sind der Grund dafür und unterliegen immer dem Wandel der Zeit. Wie fühlt der Mann heute? Nach welchen Kriterien sucht er seine Partnerin aus? Und gibt es überhaupt noch große Unterschiede in der Empfindung, Interaktion und in den Verhaltensweisen zwischen Mann und Frau?

Obwohl der Begriff der Sexualität, erstmals auch auf Menschen bezogen, noch nicht einmal 200 Jahre alt ist, wissen wir heute mehr denn je über das sinnliche Verlangen und seine Erfüllung durch Mann und Frau. Das Kamasutra, Tantra und viele andere Strömungen belegen, dass der Versuch, das menschliche Grundbedürfnis und seine Befriedigung in eine harmonische Balance zu bringen, weit mehr als eine Aufklärung, Lustvollendung, Anregung  oder ein erotischer Leitfaden ist.

Es geht auch immer um das höchste Glück, Transformation oder die Liebe. Trotzdem gibt es nach wie vor in den meisten Kulturen eine männliche Kontrolle über die weibliche Sexualität. Der Mann fühlt sich nach wie vor – evolutionär  gesehen – nicht sicher. Das würde sich ändern, wenn er den Mut besäße, sein subjektives Erleben zu kommunizieren. Angst, Leidensdruck, Voreingenommenheit, Besitzergreifung, Macht oder Gewalt ausübende Verhaltensmuster wären besiegt durch die Akzeptanz zwei gleichberechtigter, ebenbürtiger, natürlicher Dualitäten, die miteinander kommunizieren. Das Aufgeben der patriarchalischen Geschlechtsideologie ist Grundvoraussetzung für eine neue Sexualität zwischen Mann und Frau, welche die Schwierigkeit der Abstimmung zwischen Mann und Frau berücksichtigt, ohne die sexuelle Anziehung zum anderen zu verlieren. Wie auch im Alltag ist der Mann im Liebesleben immer noch mehr an Techniken interessiert und die Frau macht mit, ihm zum Gefallen. Dass Techniken und Praktiken oder das “Torbogenschema” nicht unbedingt zu einem erfüllten Sexleben beitragen, wird erst dann klar, wenn die Frau endlich ihre Wünsche und Bedürfnisse offen kommuniziert. Außerdem überträgt der Mann oft seine Dominanz auf die Beziehung. Männer, die sich permanent dem Druck der Arbeitswelt aussetzen, bringen diesen förmlich mit ins Bett. Sexuelle Energie kann sich dann nur entladen, aber nicht entfalten. Gerade Führungskräfte und Menschen mit hoher Verantwortung in ihrer Tätigkeit können kaum noch abschalten und haben es schwer, die Kontrolle abzugeben oder loszulassen. Dies bewirkt, dass bei uns, wo andauernd nur noch Leistung zählt, eine immer größere Diskrepanz zwischen Lust und Druckabbau entsteht. Dies führt immer mehr zu sexuellen Funktionsstörungen. Theoretisch hätten wir schon Lust, aber praktisch? Nicht nur körperlich spüren wir die Reaktionen, sondern auch subjektiv erleben wir innerhalb der Gesellschaft eine unerfüllte Sexualität. Sie wird entweder kompensiert mit anderen Dingen oder gefüllt mit Anleitungen, die der gesellschaftlichen Norm entsprechen. Doch sollte Sexualität nicht unser Liebespotential entfalten und öffnen?

Sexualität ist Kommunikation, vor allem auf der Berührungsebene in beiden Richtungen, obwohl es auch die mechanische Form, in Richtung vom Mann zur Frau gibt. Auf der sprachlichen Ebene wäre es nur eine kleine Aufgabe der Frau, ihm die Bedeutung der Berührung beizubringen und anzuleiten, wie das geht. Darin spiegelt sich ein natürlicher Anspruch, allgemein das zwischenmenschliche Bedürfnis mit seinen sexuellen Unterschieden zwischen Mann und Frau ständig anzupassen. Es geht nicht um Schuldzuweisungen, doch jetzt liegt es an der Frau, dem Mann zu zeigen, wie wichtig Berühren und Berührtwerden für beide ist. Der Mann lernt auf diese Weise ganz neu seine eigene Sexualität nicht nur auf der Körperebene, sondern auch auf der mentalen. Er erkennt, wie feinfühlig, sensibel und sinnlich er sein darf, ohne dabei die Erotik auszuschließen. Die sinnliche Berührung ist damit kein rein erotischer Akt, sondern ein natürliches Phänomen der Hingabe.

Erotik ist auch nicht getrennt von Liebe. Die Sexualität des Mannes entwickelt sich erst, wenn er “Leidenschaft” transformiert in bewusste spielerische Hingabe. Sexualität kommt auch gut ohne Leidenschaft aus. Dadurch kann eine getrennte oder gespaltene Sexualität spirituell werden. Verbissenheit und “Orgasmusjagd” werden aufgehoben. Würde es mehr Männer geben, die nicht nach Egobestätigungen suchen, könnte es sogar zu einer sexuellen (R)evolution auf soziokultureller Ebene kommen. Denn nicht zuletzt bestimmt die eigene Identität die Sexualität. Die wäre im gewissen Maße frei, selbstbestimmt, aber im Herzen ausgeglichen. Ein Schutzraum für eine sinnliche Balance in der gesamten Gesellschaft.

 

 

 

 

 

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