Harmonie zwischen Mann und Frau

Welche Spannung zwischen Mann und Frau noch gelten soll, wird spätestens seit MeToo wieder aktuell. Männlichkeit, die der traditionellen Vorstellung vom Mann entspricht, stand in den 70igern nur in der Kritik von emanzipierten Frauen oder Feministinnen. Heute steht der Begriff Männlichkeit in einem disharmonischen Verhältnis zum eigenen Mannsein innerhalb der gesamten Gesellschaft. Dies beeinträchtigt sehr stark die Harmonie zwischen Mann und Frau. In diesem Zusammenhang ist der Mann mit seinen männlichen Attributen nicht mehr eindeutig erklärbar und auffindbar. Wie sieht er sich selbst? Was zeichnet einen „richtigen“ Mann heute aus? Wie hat er überhaupt gegenüber einer Frau zu sein und was wiederum erwarten Frauen heute von einem Mann?

Männer mit Looks wie die ihrer eigenen Kinder, entfremdete Familienväter, verzweifelte Alleinerziehende und Entwurzelte, die durch annähernd vertauschte Rollen in ihrer Paarbeziehung ein verklärtes Bild von Harmonie abgeben, steuern auf eine gestellte Gleichheit zwischen Mann und Frau zu. Jegliche Gleichstellung bezieht sich andauernd auf: Wer verrichtet welche Arbeit und was bekomme ich dafür. Die Annahme, dass einige Männer von nun ab mehr Hausarbeit verrichten müssten und Frauen in der Berufswelt mit Quoten ihre Dominanz beweisen können, verunsichert nicht nur immer mehr Männer, sondern verzerrt zunehmend ein angesagtes Männerbild.

Ist es gut, wenn die Rollen heute so verteilt sind, dass man Mutter oder Vater nicht mehr richtig auseinanderhalten kann? Dass Mann und Frau sich soweit annähern, dass ein Bild von unauthentischer Harmonie entsteht? Arbeitsfrau oder Arbeitsmann – sind beide Geschlechter nur noch Arbeitstiere? Jedenfalls von einem distanzierten Blick aus gesehen, haben sich die Umwälzungsprozesse eher auf eine Annäherung an die Tätigkeitsbereiche beschränkt, aber die Chancen des Mannes auf  Befreiung von seinen Ängsten und Zwängen nicht viel weiterentwickelt.

„Die 7 männlichen Imperative“ vom amerikanischen Psychologen und Autor Herb Goldberg belegen deutlich, dass die Männlichkeitsattribute traditionell weiterhin gelten und das Weibliche ablehnen. Wenn dem Mann weiterhin von Außen ein vorgeschriebenes Verhaltenskorsett angelegt wird, welches ihm seine eigene selbstreflektierende, emanzipatorische Kraft raubt, wird es keinen neuen Mann geben und damit auch keine neue und echte Harmonie zwischen Mann und Frau. Nur  wenige Männer richten den Blick auf ihre eigene Person und auf ihr eigenes Leben, um vielleicht doch noch zu eigenen Alternativen zu gelangen.

Tatsache ist, dass es keine Normalitäten mehr zwischen Mann und Frau gibt, lediglich ein offenes chaotisches Durcheinander. Auf der einen Seite werden sich immer mehr Männer ihrer eigenen entleerten und aufgesetzten Persönlichkeit bewusst und auf der anderen Seite sind sie doch noch ihrer traditionellen Rolle verfallen. Männer können nicht schlafen, weil sie dauernd irgendetwas tun müssen. Solange der Wert der Arbeit und nicht der Sinn bei beiden Geschlechtern an erster Stelle steht, wird auch innerhalb der Gesellschaft kein neues Männerbild gegenüber der Frau entstehen. Was damals Feministinnen versucht haben, ist heute nichts weiter als eine Aufrechterhaltung der traditionellen männlichen Werte in Gleichstellung. Es scheint, als gelten heute „Die 7 männlichen Imperative“ genauso für Frauen. Sie schlafen wenig, ertragen mehr Schmerzen,  trinken viel, kontrollieren ihre Gefühle, bitten nicht um Hilfe, achten weniger auf ihren Körper. Dabei ist es geradezu an der Zeit, sich nicht gleichzusetzen, sondern die feministischen, weiblichen Prinzipien auch durchzusetzen. Dies würde eine Unabhängigkeit und Akzeptanz beider Geschlechter und eine neue Mitte zueinander erlauben. Es geht um eine Balance von männlichen und weiblichen Prinzipien in ihrer Polarität und die Unterschiedlichkeit von Mann und Frau, die in jedem und vor allem in der Gesamtheit akzeptiert werden müssen, und nicht um Macht, Prestige oder Status, nicht um Überlegenheit oder Unterlegenheit. Leider ist ein Mangel von Emanzipation auch bei vielen jüngeren Männern der Grund für ihre mangelnde Verantwortung gegenüber der eigenen Person.

Wenn Männer ebenso gefühlvoll sind, reicht das noch lange nicht aus. Mit den Worten einer Frauenrechtlerin gesagt „ Man wird erst wissen, was die Männer sind, wenn ihnen nicht länger vorgeschrieben wird, was sie sein sollen.“ Harmonie zwischen Mann und Frau entsteht nicht durch das gleiche Tun. Eine gesunde Harmonie entsteht aus der Unterscheidung. Eine Harmonie zwischen Mann und Frau muss asymmetrisch sein. Erst dann können Mann und Frau an einer gemeinsamen sinnvollen Aufgabe und in Liebe wachsen.

 

 

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