Der berührte Mann

Die tiefste Berührung, die ein Mensch je erfährt ist die, die über die eigene Sprache hinaus geht. Das was bleibt, lässt sich demnach auch nicht weiter beschreiben. Manchmal bleibt sogar eine tiefere Bedeutung verborgen, wenn wir der Berührung nicht gewahr werden.Wann wir tiefe Berührung zum ersten oder zum letzten Mal erfahren? Entscheidend ist, dass wir überhaupt berührt werden  und auch wie wir berührt werden!

In ihrer Beschreibung ist eine tiefe Berührung bei vielen Menschen gar nicht mal so unterschiedlich. Es lässt sich jedenfalls nicht messen. Durch tiefe Berührung öffnet sich ein subjektiver Erfahrungsraum, der allenfalls bei den meisten Menschen als Seele verstanden wird. Doch nur berührte Menschen sind mit ihr im Kontakt. Ohne Berührung würden wir keinen Zugang zu ihr finden. Ohne Berührung würden wir aber auch innerlich leer, unerfüllt, stumpf werden, vereinsamen und langfristig leiden. Das weiß auch der berührte Mann!

Immer  mehr Männer gehen mit ihren Grenzen in Kontemplation und darüber hinaus.  Ihr “Wunder Punkt“ wird zu einem berührten Gefühl, dass sie sich selbst mitteilen und zulassen. Eine Beziehung zwischen Mann und Frau gewinnt daher an Tiefe und Authentizität. Überhaupt fühlen sich berührte Männer im Einklang mit sich selbst. Sie sind sich dessen bewusst, dass die Beziehung zu sich selbst die wichtigste ist. Er liebt das Leben mit Tiefgang im Annehmen von allen Gegensätzen und der Kunst aus seinem Inneren immer wieder neu zu schöpfen. Er findet die Wahrhaftigkeit in sich.

Der berührte Mann kann sich authentisch schätzen, weil er durch seine vier Grundeigenschaften die Echtheit im Sinne der Sozialpsychologen Michael Kernis und Brian Goldmann erfüllt: Bewusstsein, Ehrlichkeit, Konsequenz und Aufrichtigkeit.

Im Vergleich zum berührten Mann ist der unberührt Bleibende, der selbstoptimierte Mitläufer, ein wahrer Karrierehengst, der seinen Status in der Erfüllung seiner Rolle im Beruf wie im Privaten  aufrechterhält. Er will ständig Anderen etwas beweisen müssen, ohne das eigene Selbst zu akzeptieren. Ein unberührter Mann lässt sich aber auch leicht durch seinen Chef verbiegen oder einschüchtern, obwohl er keineswegs die gleichen Werte oder Überzeugungen wie er vertritt. Und auch in letzter Konsequenz würde er nicht mal zu seinen Stärken, Schwächen und Gefühlen stehen. Nicht einmal dann, wenn er in seinen sozialen Beziehungen oder zu seiner Frau die Maske bröckeln sieht. Obwohl der unberührte Mann sein getuntes Bild aufrechterhalten will, kann er nicht auf lange Sicht sein Ego von seinem wahren Selbst trennen. Er kann seine innere Wahrheit nicht auf Dauer leugnen.

So unterschiedlich die subjektive Vorstellung der Seele ist, macht diese doch etwas Ganzes oder Erfülltes in uns aus. Eine tiefe Dimension, die bei bedeutvoller Berührung elementar empfunden wird. Die Berührung durch Körperkontakt, die unsere körperliche Entwicklung, und im Zusammenhang mit ihr, die sozialen Fähigkeiten und das emotionale Regulationsverhalten mitprägen, beinflusst auch alle anderen kognitiven Fähigkeiten von Geburt an bis zum Tod. Und das von Jungen und Mädchen unterschiedlich.Was den Unterschied bei Jungen und Mädchen im Kleinkindalter ausmacht, spiegelt sich auch im Laufe des Lebens in ihren Bindungen. Ein Junge beispielsweise ergreift eher Interesse an der äußeren Welt oder Umgebung, wobei ein Mädchen meist das Gegenteil tut. Mädchen versuchen zu kommunizieren und fürsorglicher zu sein, während Jungs eher raufen und sich verteidigen. Im Erwachsenenalter sind Männer eher gesprächsfaul, wortkarg und Frauen diejenigen, die eine harmonische Verbindung aufrechterhalten wollen.

Da wir heute in einer Reizüberflutung, in einer visuell, virtuell und auditiv bestimmten Informationswelt leben, verlieren wir allmählich aber sicher die unmittelbare körperliche und sinnliche Erfahrung. Von allen körpernahen Sinnen, darunter der kinästhetische, vestibuläre oder Geschmacks- und Geruchssinn, ist der taktile Sinn der bedeutendste, aber auch der immer mehr in den Hintergrund gedrängte. Das weite Feld der Berührung mit ihren gesamten physischen und psychischen Schichten ist heute auch deshalb ein Thema der Balance von intra- und interpersonaler Berührung. Die körperliche Berührung spielt ein ganzes Leben eine gleichbleibend bedeutende Rolle wie die innere emotionale Berührung. Schon deshalb, weil intensiver Körperkontakt gleichzeitig die Tiefensensibilität (eigene Körperwahrnehmung) übt und erweitert. Weil Berührung in seiner passiven und aktiven Form auch die sinnliche Wahrnehmung einbezieht. Weil uns diese Berührung aus einer entkörperlichten, oberflächlichen Alltagswelt herauslöst. Weil ein berührter Mann mit seiner Empathie einer Frau auf gleicher Seelenebene begegnen kann. Weil ein berührter Mensch empathischer ist.

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