Im Kontakt mit seinem Bauch

Was wir essen und trinken und wie wir dies tun, ist wohl die häufigste Verbindung, die wir mit unserem Bauch pflegen. Doch mit seinem Bauch wirklich „im Kontakt“ zu sein, beinhaltet wohl mehr als nur Ernährung. Unser Bauch hat viele Gesichter und haben wir ihn in den letzten Jahren mehr und mehr den globalen ökologischen und soziologischen Veränderungen angepasst, so ist bei vielen Menschen auch mit dem einhergehenden Konsum nicht nur äußerlich ein „Wohlstandsbauch“ sichtbar geworden. Was verdrängt wird, wird gleichzeitig sogar verzehrt. Zu viel Bierkonsum, Fastfood, hier ein Imbiss, dort ein Bäckercafé und steigende ungesunde zuckerhaltige Lebensmittel machen das deutlich. So wird mit unserem Wohlstand und den dazu einhergehenden Umwälzungen in Wirtschaft und Politik Verdrängung und gleichzeitig ein Aufmerksamkeitsdefizit entwickelt.

Ein Defizit zwischen Bewusstsein und Wahrnehmung bestand schon immer, aber noch nie so sehr wie jetzt. Was funktioniert eigentlich heute noch ohne Smartphone, Whats App, Internet und immer schnelleren Bewegungsabläufen? Wir gehen immer davon aus, dass die Welt so „real“ ist, wie sie mit unseren Sinnen den Wahrnehmungshorizont erreicht. Aber ist das nicht ein Irrtum in der einschlägigen Computerwelt, durch die eine andauernde Informationswelle von Außen auf unsere eigenen Resourcen überschwappt und sogar das Hören auf sich selbst zerstört? Durch andauernde Werbekampangnen der Medienindustrie werden wir aus der natürlichen Aufmerksamkeit  mit uns selbst und zu anderen herausgerissen.

Wenn nicht gerade emotionale Belastungen, negativer Stress schon für unseren Bauch Thema geworden sind, dann aber spätestens beim ersten Warnsignal des Körpers, oder auch nicht. Der Bauch jedenfalls gibt uns immer Auskunft, wenn wir ihn denn wahrnehmen . Ein Mann, der sein Sixpack pflegt, ist immer noch aufmerksamer, als ein Mann, der seinen Bierbauch pflegt. Doch beide sind nicht unbedingt mit ihrem Bauch im Kontakt. Bei jenen ist das äußere Bild eines sportlichen Bauches ein Ideal, bei anderen ein fetter Bauch nicht störend. Der Bauch ist jedoch für unseren Körper nicht nur Mediator.

In unserer Mitte des Körpers besitzen wir zentrale Funktionen, die mit entscheiden, wie gesund wir sind oder wie wir uns auch fühlen. Die Komplexität der Bewegungs-,Sinnes, -Vital und Abwehrfunktion findet besonders im Bauchraum große Bedeutung. Hier befindet sich das wichtigste Zentrum ( untere Dantien) des Körpers, auch „Alchemie- oder Elexierfeld“ genannt, indem der Schwerpunkt unseres Energiesystems liegt und durch die Phänomene von Yin und Yang das körperliche Qi entsprechend speichert. Wie somatisch wir reagieren, wenn wir nicht achtsam mit unserem Bauch verbunden sind, zeigen häufig psychogene und endogene Ursachen.

Zum größten Teil werden wir von unbewussten psychologischen und neurologischen Steuermechanismen geleitet, die uns vom eigentlichen tiefen Kontakt mit „unserer Mitte“ ablenken. Daher wird Heilung in der TCM- Lehre auch mit der Aufmerksamkeit des Qi und dem Kontakt mit den Meridianen verfolgt. Der mediative Aspekt spielt daher eine besondere Rolle.

In Verbindung mit dem oberen Dantien, das die Energie des Bewusstseins speichert, und dem mittleren, das die Energie der inneren Organe speichert, sowie dem unteren Dantien entsteht in ihrer Konstellation eine Kraft, welche die gesamten Informationen für unsere Entwicklung und unser Potential bereithält. Der Qi-Fluß ist daher die stärkste und ursprünglichste Kraft des Menschen.

Warum aber unsere unbewussten Kräfte unsere Emotionen und unser Verhalten steuern, ist wissenschaftlich noch nicht genug erforscht und trotzdem macht sich der Mediendschungel dies zu nutze. Es funktioniert über die Vorfreude der Dopamin produzierenden Nervenzellen im Mittelhirn. Wir gewöhnen uns schnell an Dinge. Wollen wir uns selbst nicht auch etwas zu nutze machen? Als Manager über unseren Körper und in Verbundenheit mit unserem Bauch stärken wir unsere Fähigkeit der eigenen Aufmerksamkeit, unsere eigentliche innere Ressource. Im Kontakt mit dem Bauch und im Herzen finden wir unsere Mitte. Verbinden wir diese beiden Zentren miteinander, erzeugen wir ein starkes Kraftfeld, welches uns von innen heraus nährt und Ruhe gibt.

Und noch etwas: Wer seine mediative Kompetenz des Bauches bewusst werden lässt, kann auch auf der sinnlichen Ebene seine Wahrnehmungsfähigkeiten schulen.

 

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