Ein neuer zeitgenössischer Gentleman

Eine der wertvollsten Fragen, die uns heute maßgebend beeinflusst, ist die Frage nach der Eudaimonie. Wie führe ich ein glückliches Leben! Was kann ich tun, damit es anderen gut geht! Das Glück ist nicht vordergründig zu verstehen, sondern wie und mit was kann ich mein Leben füllen, damit es Sinn macht. Fragen wie diese sind für manch einen nicht so klar zu beantworten, wenn er sie sich überhaupt erst stellt. Denn was überflüssig ist, muss erst als dekadent erkannt werden. Der Überfluss an materiellen Gütern in unserer Gesellschaft hat das höchste Gut herausgefordert. Ein Mangel übertüncht den nächsten Mangel. Zeit, Sinn, Partizipation, Empathie. Was fehlt ist Ausgeglichenheit. Ausgleich in der Wirtschaft, in Politik, in einer Yang-betonten westlichen Welt, wo hier zu viel und dort zu wenig ist. Die andauernden extremen Wechselwirkungen in den Jahresabläufen bis hin zu den Lebensabläufen haben das Prinzip von Yin und Yang disharmonisiert und auseinander gerissen.

Das Feuer als Yang-Element ist auch für den Gentleman ein Schlüssel zu mehr Balance. Das dominierende Feuer gehört eigentlich zum alten Gentleman. Im feurigen Eifer der Selbstoptimierung, Leistung und Produktion brennt er förmlich aus. Der Dauerzustand, der Druck von Außen, die Aktivität und Kommunikation sind so hoch, dass wir wortwörtlich verbrennen. Und übermäßiges Yang schädigt die Mitte. Alles eine Frage der Zeit! Oder des „Gentle“.

Ein Gentleman ist heute kaum zu finden. Und obwohl er einst ein Sammelbegriff für die gehobene, adelige Klasse war, hat diese den Weg geebnet für weitere Kreise bis hin zum Untergang. Der „Gentle“ – auch Sanftmut – sind Begriffe, die aus der Antike geboren sind und heute wieder an Wert gewinnen. Warum ist das so? Die Sanftmut als Gegenstück von Gewaltsamkeit ist die „goldene Regel“, der Mittelwert in jeder Lebenslage gegenüber Emotionen und Begierden. Eine Qualität, die heute bei einem Mann wieder mehr geschätzt wird. Die ethische Verbindung zwischen Mann und Frau ist immer noch ein Luxus und ein Mangel zugleich. Denn welcher Mann hat heute noch die Zeit, die ein Gentleman hat? Selbst ein Bond war nur ein extrovertierter Charmeur, und würde man alle nebeneinander aufreihen, so ist die oberflächliche Persönlichkeit selbst hinter dieser fiktiven Gestalt ziemlich real.

Was eine zeitlang in unserer Gesellschaft für einen Mann als „Weichei“, für unmännlich oder weibisch galt, ist heute wieder gentle. Zärtliche Gesten, sanfte Berührungen, ein gütig-mitfühlender Geist, und ein annähernder Ausdruck, der herzlich, liebenswürdig und freundlich zugewandt ist, sind doch Eigenschaften, die dem weiblichen Kern entsprechen. Ein Mann im Einklang mit seiner weiblichen Kraft steht für Ausgleich in einer männerdominierten Arbeitswelt, aber auch zwischenmenschlich. Im neuen Gentleman wird das Feuer ausbalanciert, weil seine Yin-Seite zum Vorschein tritt. Wo heute ein Gentleman ist, dort strahlt das Feuer gleichmäßig von innen nach außen. Alle Elemente von Yin und Yang wirken in Balance und regulieren sich auch so. Und der heutige Gentleman geht stetig in Kontemplation. Er schafft durch diese Art von Dasein eine innere Kraft, ein Durchdringen, eine Sensibilität, die tief berührt und nach außen aufgeht.

Der alte Gentleman und der „neue zeitgenössische Gentleman“ sind in ihrem Charakter smart und beide unabhängig, doch der neue richtet sich nicht materiell aus, sondern gemäß einer Spiritualität. Er ist klassenlos. Er lebt minimalistisch und definiert sich nicht über seinen Beruf. Er benutzt einfach seine Ressourcen, um in seiner Mitte leben zu können. Er tut damit sich und Anderen gut!

Für einen Gentle-Manager gilt die „Transformationale Führung“, weg von egoistischen und hin zu übergeordneten Zielen. Eine starke Person mit einem weichen, sanften, annähernden und mitfühlenden Kern – ein Gentleman weiß um diese Qualität und genießt den Luxus, dieses Lebensgefühl. Trägt dieser Luxus nicht mehr Früchte?

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