Der absichtslose Mann

Schon seit der Steinzeit hat sich das Gehirn an sich nicht viel verändert, nur die Umgebung und Informationen. Und auf die reagiert natürlich unser Gehirn. Es mag sogar immer wieder neue Reize, aber keine Reizüberflutung. Was für das Gehirn einmal evolutionär gut war, gilt schon längst nicht mehr. Denn unser neurobiologisches Gleichgewicht zu halten fällt uns immer schwerer. Depressionen, Zwangsstörungen, Alkoholabhängigkeit und was sonst noch unter Burnout und Boreout fällt. Neuste Forschungsergebnisse beweisen sogar die Veränderungen im Gehirn, die für die Fähigkeit sorgen, viel Alkohol vertragen zu können, ohne dass man selbst diese Disposition bemerkt. Alles Folgen, die darauf  hindeuten, dass wir uns selbst mehr schaden, als es unsere Absicht ist. Sollte man nicht öfter mal von dieser Absicht absehen, wird sie schnell zur eigenen Last, zu einem Extrem. Extreme sind nie gut.

Es sei denn, man besinnt sich durch Nichthandeln. Einfach Innehalten, Abschalten, Loslassen. Viel öfter, das wär´s doch. Es klingt so einfach, ist es aber nicht. Der Mensch hat sich so viel weiterentwickelt in seinem Tun, aber Meditation hat er nicht gelernt. In unserer Leistungsgesellschaft gilt der Mann als Macher, als ein Leistungsbringer, der sein Handeln nach ökonomischen Zielen ausrichtet und optimiert. Er will nach Dingen streben, von denen er glaubt, dass sie ihn glücklich machen. Erfolg, Anerkennung, Macht, Reichtum, Geld und die Hoffnung, was das „Ich“ in der Zukunft alles sein kann, ist auf diese individualisierte, zweckorientierte Gesellschaftsform zugeschnitten. Von eben diesen absichtsvollen Menschen. In unserer Gesellschaft gilt der absichtsvolle Mann als tugendhaft. Zielstrebig, bemüht, willig zu schaffen, was andere auch schaffen. Er kämpft und rennt und jagt, wie bisher. Er definiert sich über seine Arbeit, über sein Tun, darüber, immer etwas tun zu müssen. Zu viel Aktivität zieht unweigerlich das Bedürfnis nach Ausgleich nach sich. Nur, dass er von einem Extrem ins nächste fällt.

Sobald er diese Absicht nicht mehr verfolgt, hat er kein Bedürfnis mehr nach etwas, sondern fokussiert seinen Geist im Hier und Jetzt. Durch geistige Konzentration und Selbstbeherrschung kommt der Mann der Absichtslosigkeit entgegen. Er praktiziert für Selbstbestimmtheit und innere Freiheit. Der absichtslose Mann ist angekommen in seiner wahren Natur, aus der heraus er in Liebe zu sich und Anderen ist. Ohne besondere Motivation strahlt er diese innere Haltung nach außen. Der absichtslose Mann braucht nicht ständig Ausgleich, weil er zentriert ist und sich nicht von äußeren Reizüberflutungen täuschen lässt. Er handelt in Ruhe und umsichtig und bleibt mit allen Dingen durch bewusstes Atmen, tiefes Zuhören und Schauen in Kontakt. Durch sein Praktizieren in Achtsamkeit werden alle zweckorientierten Ziele losgelassen. Seine offene Geisteshaltung fördert Selbstreflexion, die ihn immer wieder in seiner Körperhaltung und Körpersprache positiv beeinflusst.

Er kultiviert die „4 grenzenlosen Geisteszustände“ wie Liebe, Mitgefühl, Freude und Gleichmut.

Wäre der absichtslose Mann nicht auch ein neuer zeitgenössischer Gentleman?

 

 

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