Körperbewusstsein

Wir kommen auf die Welt, leben und altern mit unserem Körper. Wir kommunizieren über ihn und mit ihm. Unser Körper sendet uns Botschaften über uns selbst. Unser Körper gibt uns Halt, eine Identität und verbindet uns mit unserer Seele und unserem Geist. Er ist Grundlage unserer Existenz. Was wären wir ohne unseren Körper! Am Anfang sind wir alle gleich, egal ob männlich oder weiblich.

Schon im Mutterleib verständigen, verstehen und verbinden sich zwei Körper, kommunizieren miteinander. Schon während der Embryonalzeit entwickeln sich Tast- und Gleichgewichtssinn, Geschmacksinn, Geruchsinn und Hörsinn. Eine Ausnahme bildet der Sehsinn, der sich nach der Geburt entwickelt.

Wir Menschen unterscheiden uns besonders von anderen Lebewesen durch unsere Eigenschaften und Fähigkeiten des Körpers. Wir ernähren uns bewusst oder unbewusst, haben eine längere Wachstums- und Entwicklungsphase. Das Gehirn wächst nach der Geburt noch weitere zehn Jahre. Wir erfahren, fühlen, unterscheiden unseren Körper von anderen und achten ihn oder nicht. Wir entwickeln im Laufe unseres Lebens ein Körperbewusstsein. Je früher, desto besser.

Studien beweisen sogar, dass die Menschen, die früh in ihrer Kindheit sportlich aktiv waren und präventiv für ihre Gesundheit gesorgt haben, weniger von Krankheiten betroffen sind und länger gesund bleiben. Man hat auch herausgefunden, dass Mädchen im Aussehen eher einen Zusammenhang zwischen Körper und Wohlbefinden sehen als Jungen und sich schon deshalb häufiger um ihren Körper kümmern. Sie schauen sich häufiger im Spiegel an, mal liebevoll oder mal kritischer. Sie nehmen ihr Aussehen und ihren Körper ernster.

Schon deshalb gibt es einen erheblichen Nachholbedarf, was das Körperbewusstsein der Männer betrifft. Warum sonst die niedrigere Lebenserwartung. Frauen betreiben viel früher Vorsorge, nicht nur wegen ihres Aussehens. Nur 13 % der Männer gehen in Deutschland zu den Vorsorgeuntersuchungen. Aber nicht nur, dass sie ihren Körper vernachlässigen, nein. Der rücksichtslose, maßlose Umgang mit dem eigen Körper ist nicht nur Klichee, sondern charakteristisch für viele, die in Fitness-Studios ihren Ehrgeiz und ihr Ego stillen. Oder aber auch sich öfter „einen Drink zu viel“ genehmigen. Schon immer stand der Mann allein mit seinen Ängsten, Zweifeln, Sorgen unter äußerem gesellschaftlichen Druck, den er dann wortwörtlich innerlich verdrückt. Auch mit jeder Verletzlichkeit , die ihm schon früh in der Kindheit beigebracht wurde. Deshalb stehen Männer auch häufiger mit Magen-Darm-Problemen im Visier von psychosomatischen Krankheiten.

Körperbewusstsein entwickelt der Mann schon deshalb anders, weil er eine andere Selbstwahrnehmung des Körpers entwickelt hat, die weniger sinnlich und einfühlsam ist. Schon in der frühkindlichen Entwicklung ist der Berührungssinn der wichtigste für unser Körperbewusstsein. Heute weiß man, dass die unterschiedliche Erziehung von Mädchen und Jungen, kulturell und gesellschaftlich bedingt, auch dazu führte, dass bei den Männern angeborene Fähigkeiten wie sinnliche Wahrnehmungen weniger stark ausgeprägt sind. Die Berührungen, wie Streicheln, in den Arm nehmen, Wiegen, Trösten über Körperkontakt und auch über einen liebevollen Ton, sind doch eher sanfte, zärtliche und weiche Erfahrungen, die weniger dem männlichen Geschlecht galten. Hinzu kommt aber auch, die sich in der Pubertät entwickelnde Identität und Sexualität.

Interessiert sich das männliche Geschlecht nicht vorrangig für den weiblichen Körper anstatt für seinen eigenen? Sind seine Eindrücke nicht eher auf den Sehsinn und auf optische Reize aus der Umwelt bezogen als auf sein Bedürfnis nach Berührung, Geborgenheit und Sinnlichkeit? Obwohl es heute meistens anders scheint. Die Leistungsorientierung und auf Optimierung bezogenen Werte in unserer westlichen Gesellschaft schaffen weniger ein Körperbewusstsein als Körperkult. Sie bringen immer mehr Körperpflege-Produkte für den Mann, Wellnessangebote, exotische Entspannungsmethoden auf den Markt. Auf der anderen Seite werden Männer von Frauen zu mehr Körperbewusstsein animiert. Der Mann interessiert sich mehr denn je für Tantra, um eine bewusstere und erfülltere sexuelle Partnerschaft zu leben, aber auch um diese von innen nach außen strömende Energie für die eigene Potenzialentwicklung zu nutzen. Und er interessiert sich genauso für Yoga, den von außen nach innen gerichteten Weg, der die verschiedenen Elemente seines Schmerzkörpers bewusst macht und nach und nach sein Ego aus der Komfortzone herauslöst.

Der Körper, der uns zur Selbstfindung und wahren Identität dient, ist ein tägliches Geschenk für ein bewussteres Leben.

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