Ego im bewussten Mann

Spätestens seit René Descartes berühmter Erkenntnis „ Ich denke, also bin ich“ werden das Ich und das Selbst bis in die heutige moderne Zeit hinein in seiner Begrifflichkeit reflektiert und auf das subjektive Erkenntnisvermögen in Philosophie, Wissenschaft, Psychologie, Soziologie und im spirituellen Bereich weiter erforscht und als zwei Entitäten existierend angesehen.

Der Dualismus ist somit bis heute eine Erkenntnistheorie, die von einer Subjekt-Objekt Beziehung, einer Yin-Yang Polarität in gesellschaftlichen, theoretischen, wissenschaftlichen Bereichen und Systemen ausgeht. Das Ego und das Selbst im Menschen werden klar unterschieden und auch in ihren Eigenschaften. Das Ego existiert als Gedanke oder Konstrukt, das Selbst jedoch ist das, was der Mensch tatsächlich ist.

Alle Menschen haben ein Ego, nur unterscheidet es sich meistens sogar zwischen Mann und Frau.

In einer Beziehung zwischen Mann und Frau wird es ja in Konflikten häufig sehr deutlich, da die Bedürfnisse und ihre Befriedigung weit auseinander liegen und häufig sehr unterschiedlich sind.

In den meisten Fällen strebt der Mann nach Achtung, Respekt und Anerkennung, während die Frau sich nach Geborgenheit, Liebe und Sicherheit sehnt. Sogar in den in Harmonie und Ausgleich stehenden Kräften Yin und Yang sind die weiblichen und männlichen Egostrukturen tatsächlich vorhanden.

Das  Ego dient als Vermittler  zwischen unseren Kräften (den Wirklichkeiten) und  dem Ich, der unsere Grundbedürfnisse befriedigen soll. Die Eigenschaften eines Mannes spiegeln demzufolge auch die Prinzipien des männlichen Egos wieder. Ein Mann in seinem „männlichen Prinzip“ ist in seinen Eigenschaften kämpfend, immer in Bewegung, schnell, rational, Spannung erzeugend, nach oben zuspitzend verlaufend, politisch, logisch, außen stark und innen schwach. Er ist geil oder gierig. In der Gesellschaft  ist der Mann in seinem Ego nicht nur die Widerspiegelung seiner eigenen Identität, sondern längst auch Ausdruck dafür, wie sein Denken und Handeln durch kulturelle und gesellschaftliche Einflüsse geformt wurden und weiter geformt werden. Der Mann, der sich gewahr wird, ist schon mal einen Schritt dem Ego voraus. Er ist daher fähig, Wahrnehmungen, Empfindungen, Meinungen, Gefühle, Einstellungen, Absichten, Wünsche, Bedürfnisse und andere Kognitionen real zu vergleichen und zu unterscheiden.

Wann immer ein Mann also bewusst mit seinem Ego umgeht, werden seine Bedürfnisse von Außen reduziert und richten sich auf die Inneren. Die Spannung zwischen Ego und Selbst wird aufgelöst. Wer selbst sein will, hat sogar keine Alternative als Loszulassen. In der Männerwelt handeln die meisten jedoch irrational. Der Manager will weiter klettern auf seiner Egoleiter, der Angestellte hofft auf Anerkennung und strengt sich mehr und mehr an, ebenso  viel zu erreichen. Leider bleiben so doch Unentspanntheit im Geist oder Verspanntheit im Körper erhalten, die sich dann wiederum im Ego breitmachen. Wann wird der Mann von seinem Ego bestimmt? Ein Mann, der das herausfinden will, ist der Gegensätzlichkeit  von Ego und Ich schon mal nahe gekommen und genauso gut dabei, sich nicht vom Ego bestimmen zu lassen. Wer sich jedoch mit seinem Ego gleichsetzt, ist oft verärgert im Alltag, schwankt zwischen  Entscheidungen, macht sich Sorgen um die Zukunft, ist eifersüchtig, leicht verletzbar und überheblich bei Verunsicherung oder befangen. Er grübelt, bohrt in der Vergangenheit, ist angespannt und hat Angst um seine Existenz.

Wettbewerb, Leistungsdruck und Konkurrenzdenken, Optimierungswahn in jeder Hinsicht schüren eine Ego-Man(n)ie, die von einem kapitalistischen System verursacht werden.

Heute in einer Welt, in der wir uns dauernd entscheiden sollen, ständige Informationen auf uns einstürmen, immer wieder neue Innovationen suggeriert werden, ist das Ego im bewussten Selbst jedoch der Schlüssel . Das Ego, das ständig hin und hergerissen wird von allen Schwankungen, findet seinen Anker wohl kaum in ihm. Wie also das Ego stärken?  Der verspannte Mann wird vor allem nach Entspannung suchen. Der bewusste Mann aber hat eher eine gesunde Grundspannung, ist zentriert.

Er entscheidet aus der Mitte heraus und kümmert sich um seine eigentliche Energiequelle, sein Selbst. Ein gesundes Ego setzt ein gewisses Selbstwertgefühl voraus, ist auch immer die Zentrale, die zwischen eigenem Nutzen und dem Wohl anderer mitentscheidet. Ein Mann mit einem gesunden Ego wird nicht nur seine eigenen Bedürfnisse abwägen, sondern nach Integrität suchen. Er wird seine Gegensätzlichkeiten von Stärken und Schwächen erkennen und akzeptieren.

Ein gesundes Ego wächst somit nicht mit seinen Statussymbolen, sondern bleibt gegenüber diesen stark. Wer als Mann sein Ego stärkt, stärkt seinen Selbstwert und damit sein Selbstbewusstsein, aber auch seine Beziehungen.

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